„…als ob nichts wär“ – Geflüchtete und asylsuchende Frauen gestalten Beiträge zum Thema Arbeit

By Mag. Maiada Hadaia*

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**Dieser Blog Post ist Teil der ‘ Jean Monnet Chair of European Media Governance and Integration Series’ kuratiert von Wagner Piassaroli Mantovaneli. Der Blog Post ist thematisch verbunden mit kommender Veranstaltung am 22 Mai in Wien: “Media Democracy under Pressure“, eine Konferenz ueber ‘Community Media in Europe’, organisiert vom  Media Governance & Industries Research Lab in Kooperation mit dem Verband Freier Radios ÖsterreichCOMMITRadio Orange 94.0 and OKTO.

Medienarbeit bedeutet in Community Medien immer auch politische, pädagogische, emanzipatorische, soziale und solidarische Arbeit und ist beispielhaft für demokratische Beteiligung.

„Frauen starten neu in Wien“ ist ein weiteres emanzipatorisches Projekt bei ORANGE 94.0, das größte Freie Radio im deutschen Sprachraum, das sich diesmal an geflüchtete und asylsuchende Frauen richtet. Ziel des Projektes an dem 12 Frauen mit Flucht- und Migrationsgeschichte beteiligt sind, ist die Vermittlung kreativer, offener und kritischer Medienbildung. Konkret bedeutet das die Möglichkeit mittels Medium Radio und dem Erwerb journalistischer sowie technischer Fertigkeiten Erlebtes und Erfahrenes hörbar zu machen.

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Photo © Laura Schaeffer

Das Projekt bietet Raum für engagierte und talentierte Frauen jeder Couleur (Alter, Herkunft, Religion, Zugehörigkeit). Die Radioarbeit soll sie ermutigen eigene Beiträge zu gestalten und die eigenen Ziele trotz extremer politischer Widrigkeiten – einer gesamtgesellschaftlich verunsichernden Stimmung, medialer Hetze aufgrund diskriminierender und rassistischer Berichterstattung, und nicht zuletzt einer Regierung deren massive angekündigte Kürzungen insbesondere diese vulnerable Gruppe hart treffen wird – weiter zu verfolgen.

Und „..als ob nichts wär, sollen wir uns schnell integrieren, so schnell wie möglich“, sagen die Frauen bei unserem ersten Treffen, sowohl in die Gesellschaft, als auch am Arbeitsmarkt. „Aber das geht nur zusammen, denn wir können uns nur schwer zurechtfinden, wenn wir arbeitslos sind, daran hängt so viel, unsere Existenz, unsere Möglichkeiten sich weiterzubilden und eben auch Menschen kennenzulernen“ so weiter ihre Aussagen.

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Photo © Laura Schaeffer

„Oft werden wir behandelt, als ob wir um etwas bitten müssen, aber wir sind engagiert, arbeiten ehrenamtlich, sind gut ausgebildet, haben Hochschulen und Berufe in unseren Ländern abgeschlossen“ berichten die Frauen weiter. Einige von ihnen waren/sind Journalistinnen, Grafikerinnen, Rechtsanwältinnen „und dann erhalten wir den Ratschlag, geh und arbeite doch als Kellnerin, oder bist du dir dafür zu schade?“ erzählt eine junge Frau von ihren Erfahrungen am Arbeitsmarkt. Auch beim AMS sind so manch wohlwollender BeraterIn die Hände gebunden, die Kürzungen der Regierung für Bildungs- und Integrationsprogramme machen auch Druck auf sie.

Die Frustration insbesondere bei der Suche nach sinnvoller und ihren Qualifikationen entsprechender Arbeit ist nachvollziehbar. Potenzial liegt brach oder riesige Stolpersteine werden den Frauen auf den Weg gelegt.

Der Spracherwerb bereitet zudem einen enormen Druck auf sie in mehrfacher Hinsicht. ArbeitgeberInnen beispielswese verlangen noch immer „perfekte“ und „sehr gute“ Deutschkenntnisse. Diesen perfektionistischen Anspruch, der ihnen von Politik und Arbeitswelt auferlegt wird, aber auch von Teilen der Gesellschaft, tragen die Frauen mit sich und fühlen sich beim Sprechen sehr unsicher. Für manche Jobs sind gute Sprachkentnnisse sehr wichtig, aber um diese zu erlangen müssen die Frauen auch die Zeit erhalten die Sprache gut zu lernen beziehungsweise gilt schon ein Akzent als nicht gut genug. Nicht zu vergessen die drohenden Konsequenzen bei nicht bestandenen Prüfungen. Weiterbildungsmaßnahmen werden gekürzt oder nicht auf die individuellen Kenntnisse angepasst und an Trainings on the Job kommen die Frauen oft nur über private Kontakte und Initiativen. Zu alldem kommt für Frauen die Sorge um die Familie. Frauen wollen kein Mitleid und auch nichts umsonst, umso mehr sind PolitikerInnen aufgefordert Strukturen der Integration auf allen Ebenen zu schaffen und nicht abzuschaffen!

Das Projekt #FrauenstartenneuinWien bei ORANGE 94.0 setzt den Fokus auf das Thema #FrauenArbeit. Frauen mit bewegenden und bewegten Geschichten werden Herausforderungen und Probleme gemeinsam analysieren, benennen, kritisieren, argumentieren, und für euch hörbar machen. Stay tuend! #womeninmedia #womenmakethenews #refugeeswelcome

Mag. Maiada Hadaia ist 1976 in Sofia, Bulgarien geboren und studierte Internationale Entwicklung/Development Studies an der Universität Wien. Sie ist ausgebildete Sprecherin sowie Trainerin für Deutsch als Zweitsprache und seit 2005 als Trainerin in der Ausbildung bei ORANGE 94.0 tätig. Maiada ist passionierte multilinguale Radiojournalistin, Moderatorin und Programmkoordinatorin und gestaltet unter anderem für APPEAR, das Österreichische Hochschulkooperationsprogramm und KEF, der Kommission für Entwicklungsforschung bei der Österreichischen Agentur für internationale Mobilität, Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung die Sendereihe „Welt im Ohr“, gefördert aus Mittel der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und ausgestrahlt auf  Campus Ö1, das Experimentalradio von Ö1. Maiada hat syrisch-bulgarisch-mazedonische Wurzeln und ist seit ihrem 7. Lebensjahr auch sehr gerne in Österreich vor allem in Wien zuhause.

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